Zum 5.Mal „Kon´nichiwa“ und „ Sayonara“ in Neviges

29.09.2010 von Stefan

Der Stamm Hardenberg hat seit über 20 Jahren eine Partnerschaft mit einem Pfadfinderstamm aus Japan. In diesem Jahr stand der fünfte Besuch einer Gruppe aus dem Land der aufgehenden Sonne bevor. Nach 1990, 1995, 2000, 2003 nun also 2010.

Am 17.09.2010 um 23 Uhr war es endlich wieder soweit. Eine Gruppe von 22 Pfadfindern unseres Partnerstammes St-Mary Scouts Musashino- Tokyo landete in Düsseldorf.

Von dort schnell nach Neviges, wo in den Gruppenräumen bereits ein Großteil des Stammes sehnsüchtig wartete. Dort hieß es dann: „Herzlich Willkommen -- Kon´nichiwa“ Teilweise kannte man sich bereits von vorherigen Besuchen, aber auch die „neuen“ Gesichter wurden herzlich von ihren Gastfamilien aufgenommen.
Nachdem der lange Flug und die ersten Eindrücke in der kurzen Nacht verarbeitet waren, folgte am ersten Tag die Welcome-Party. Zu aller erst wurde an den Beginn der Partnerschaft erinnert. 1989 machte sich der japanische Stamm auf die Suche nach einem deutschen Partnerstamm. Der Stamm Tokio-Musashino ist von einem Pfarrer aus Velbert gegründet worden. So wendeten sich die Japaner an die Stadt Velbert, die den Kontakt nach Neviges zu uns vermittelte. So verwundert es nicht, dass auch ein Vertreter der Stadt die Gelegenheit nutzte und die japanischen Pfadfinder begrüßte.
Zum Dolmetschen war extra eine ehemalige japanische Pfadfinderin angereist. Diese war 1990 beim ersten Besuch der Japaner in Deutschland dabei und lebt inzwischen in Düsseldorf.

Anschließend ging es mit den Stammesmitgliedern zum Mini-Golf spielen. Leider im strömenden Regen, was aber den Spaß und die super Stimmung nicht verdarb. Vielleicht auch, weil es im Anschluss für alle zur Stärkung und Aufwärmen noch ein Eis, Kakao oder Tee gab.

Am nächsten Tag ging es für einen Tagesausflug nach Bonn und Köln. Zum Glück war auch das Wetter wesentlich besser. Nach einer Führung im Haus der Geschichte in Bonn, konnten wir so bei strahlendem Sonnenschein am Rhein gemeinsam Pizza essen.
Anschließend stand ein Besuch bei den Heiligen Drei Königen an. Der Kölner Dom wurde uns mit Hilfe einer weiteren Führung näher gebracht. Wem das noch nicht genug war, konnte man noch den Turm besteigen und einen wundervollen Ausblick über Köln genießen. Es war wunderschöner Tagesausflug entlang des Rheins.

Die darauffolgenden Tage konnten die Gastfamilien mit „ihren“ Japanern nutzen. Einige waren zum Beispiel zum Sightseeing in Düsseldorf, auf der Zeche Zollverein oder in Essen shoppen.
Der darauf folgende Tag stand ganz unter dem Gesichtspunkt der Begegnung mit unserer Pfarrgemeinde. Nach einer Messe grillten wir an unserem Pfarrzentrum für die gesamte Gemeinde. Als besonderen Gast konnten wir Dr. Baldur Hermans begrüßen, welcher fast 20 Jahre lang Auslandsbeauftragter der DPSG war.

Nach der Ansprache von Dr. Baldur Hermans stellten sich alle Japaner den Gemeindemitgliedern vor. Dies war sowohl auf Englisch, als auch auf Deutsch möglich, da die japanischen Pfadfinder sich sehr bemühten zumindest ein paar Wörter auf deutsch zu lernen. Als besonderes Abenteuer konnte man den Turm unserer Pfarrkirche besichtigen und auch besteigen. Dies war die Möglichkeit, nicht nur für die Japaner, einen anderen Blick über Neviges zu gewinnen.

Am nächsten Tag ging es für fünf Tage ins Zeltlager an die Steinbachtalsperre. Die Pfadis und deren Gastgeschwistern brachen schon um 7 Uhr morgens mit dem Zug auf. Alle anderen konnten ein wenig länger schlafen und fuhren um 10 Uhr mit dem Bus zum Zeltplatz.

Auf dem Zeltplatz mussten die Zelte aufgebaut werden. Die Japaner halfen fleißig mit, obwohl sie keine Schwarzzelte aus Japan kennen und somit absolutes Neuland betraten
Im weiteren Verlauf des Tages gab es eine Einführungsrunde mit Spielen und Gesang. Der Tag wurde mit einem Lagerfeuer, Gesang und Stockbrot beendet. Den Japanern gefiel sehr, dass es jeden Abend ein großes Lagerfeuer mit Singerunde gab. In Japan ist es unüblich im Lager jeden Abend ein Lagerfeuer zu machen. Allerdings wird das einmalige Campfire in Japan mit einer Show und viel Tanz verbunden und ist ein besonderes Highlight.

Die weiteren Tage wurden mit einem großen Geländespiel, dem Chaosspiel und Workshops gestaltet. Zudem wurden japanische Songs einstudiert und ein Wettkampf im „Shipoterie“ ausgerichtet. „Shipoterie“ ist ein Wettkampf im „Halstuch aus der Hose ziehen“. Bei den Japanern hat es große Bedeutung und es wird „brutal“ gekämpft. Dem Sieger wird ein goldenes Halstuch überreicht.

2009 hat es ein deutscher Pfadi in Japan geschafft, dieses Tuch zu gewinnen. Darum wurden die Pfadis nun herausgefordert. Diesen Wettkampf gewannen jedoch die Japaner. Aber vielleicht haben wir beim nächsten Mal die Chance auf eine erfolgreiche Revanche.

Insgesamt war es ein sehr schönes Lager mit vielen neuen Eindrücken sowohl für Japaner als auch Deutsche. Sogar das Wetter spielte bis auf in einigen Nächten und am Abreisetag gut mit.
Für die Japaner war es ein „sehr entspanntes“ Lager, da ein Camp in Japan insgesamt sehr viel strenger abläuft. Insbesondere wird dort mehr Wert auf Disziplin und Hierarchie gelegt.

Nachdem alle wieder aus dem Lager gesund zurückgekehrt sind, ging es am Samstag nochmal gemeinsam auf eine Kanutour auf dem Baldeneysee. Diese musste jedoch aufgrund von plötzlichen Schauerregen verkürzt werden. Doch die Stimmung war trotz nassen Klamotten sehr gut und wurde durch Singen japanischer und deutscher Lieder noch verstärkt.

Am letzten Tag stand leider noch die Farewell-Party an, wo mit vielen Tränen unsere japanischen Gäste verabschiedet wurden. Und es hieß „Auf Wiedersehen - Sayonara“.
Wie bei jedem Besuch sind wieder viele neue Freundschaften entstanden und so heißt es bald hoffentlich wieder: „Herzlich Willkommen – Kon´nichiwa“.

Kerstin Fenske

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